
Wie ein nächtliches Knarzen meine Leidenschaft für die Fotografie weckte
Ich behaupte manchmal, meine Leidenschaft für die Fotografie habe dort begonnen, wo eigentlich alles beginnt:
in meinem Geburtshaus in Wissen an der Sieg. Und wenn ich es ganz genau nehme, dann sogar in dem Zimmer, in dem ich zur Welt kam.
Viele Jahre später schlief ich dort wieder — als kleiner Junge, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, wenn ich bei meinem Opa übernachtete.
Ein Zimmer, das man heute vermutlich als „herausfordernd klimatisiert“ bezeichnen würde. Damals war es schlicht: kalt, feucht und ungeheizt.
Beheizt wurde nur die Küche. Der Rest des Hauses musste mit Charakter überzeugen.
Ich lag also unter einem überdimensionalen Plümo, das vermutlich mehr wog als ich selbst, und versuchte zu schlafen.
Eines Nachts wurde ich geweckt.
Ein Geräusch.
Ein Knarzen.
Eine Tür.
Dann Schritte.
Wieder ein Knarzen.
Dann ein Poltern.
Stille.
Und nach einiger Zeit das Ganze noch einmal.
Ich lag regungslos da.
Die Augen fest geschlossen.
Was man als Kind eben so macht, wenn man nicht sicher ist, ob man Angst haben sollte.
Dieses Schauspiel wiederholte sich. Nacht für Nacht.
Das Knarzen. Die Schritte. Das Poltern.
Irgendwann war meine Neugier größer als meine Furcht.
Und so öffnete ich die Augen einen Spalt — gerade genug, um nicht entdeckt zu werden, aber ausreichend, um das Rätsel zu lösen.
Und da stand er:
mein Onkel Bruno.
Kein Geist.
Kein nächtlicher Besucher aus einer anderen Welt.
Sondern ein Mann mit einem sehr irdischen Problem.
Er war nämlich Hobbyfotograf.
Und wie ich in diesem Moment lernte, brauchen Fotografen manchmal genau das, was dieses Zimmer im Überfluss bot:
Dunkelheit.
Um seine Filme lichtdicht in eine Entwicklerdose einzufädeln, hatte er sich den Schrank in meinem Schlafzimmer ausgesucht.
Das Knarzen war die Tür. Die Schritte gehörten ihm.
Und das Poltern… nun ja, vermutlich Teil des kreativen Prozesses.
Damit war das nächtliche Mysterium gelöst.
Und vielleicht — wenn ich heute darüber nachdenke — auch ein kleines Stück meiner eigenen Geschichte.
Denn aus diesem leicht unheimlichen, ziemlich kalten und eher unfreiwillig geteilten Raum entwickelte sich etwas Unerwartetes:
Meine Faszination für die Fotografie.
Nicht sofort.
Nicht bewusst.
Aber nachhaltig.
Mein Onkel Bruno wurde später zu einer Art stiller Wegbereiter.
Er gab mir vieles von dem, was ein junger Mensch braucht, um anzufangen:
nicht nur Ausrüstung — sondern Zugang zu einer anderen Welt.
Und so begann alles.
Nicht mit einem Bild.
Nicht mit einer Kamera.
Sondern im Dunkeln.
Mit einem Knarzen.
Und einem kleinen Jungen unter einem viel zu großen Plümo, der heimlich die Augen öffnete.
Fotografie ist ein wunderbares Hobby. Sie verbindet Kreativität, Achtsamkeit und Freude. Ich möchte mit meinen Bildern zeigen, wie erfüllend es sein kann, die Welt durch die Linse zu betrachten – und dich dazu einladen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.