Kapitel 2 - Die erste Kamera

Wie ein Schrank, ein Onkel und ein Neandertaler meinen Blick weiter formten.

 

Manche Geschichten beginnen nicht neu. Sie gehen einfach weiter.

 

In meinem Fall führte der Weg zurück zu meinem Onkel Bruno – jenem Mann, der einst nachts meinen Kleiderschrank in eine Dunkelkammer verwandelte.

Von genau diesem Onkel erhielt ich im Jahr 1966 meine erste Kamera.

 

Eine Agfa Gevabox.

 

Ein solides, beinahe würfelförmiges Gerät, das mit einem Rollfilm im Format 6×9 bestückt wurde.

 

Wenn ich mich richtig erinnere, waren damit ganze neun Aufnahmen möglich.

 

Neun.

 

Heute würde man das vermutlich als „sehr selektives Fotografieren“ bezeichnen. Damals war es einfach die Realität.

 

Der Film war nicht in einer schützenden Kapsel verborgen. Er verlangte nach Dunkelheit. Nach Sorgfalt.

 

Und so fand ich mich plötzlich in einer vertrauten Situation wieder: Im Schrank.

Zumindest am Anfang. 

 

Ich wollte nichts falsch machen.
Kein Licht durfte an den Film.
Also tat ich das, was ich kannte.

Mit der Zeit wurde ich mutiger.
Schneller.

 

Eine dunkle Ecke genügte irgendwann, um den Film zu wechseln.

Ein kleiner Fortschritt.
Ein leiser Schritt hinaus aus dem Dunkeln.

 

Mein erster Ausflug mit dieser Kamera führte mich ins Neandertal.

Ein Ort, der Geschichte atmet –
und damals für mich vor allem eines bot: Ein Motiv.

 

Die Statue des Neandertalers.

Unbeweglich.
Geduldig.
Und damit ein ideales Modell für meine ersten Versuche in der Peoplefotografie.

 

Der Vorteil lag auf der Hand: Er lief nicht weg.

 

Das Bild, das dabei entstand, gehört tatsächlich zu meinem ersten Film.

 

Eines dieser neun kostbaren Bilder.

 

Viele Jahre später kehrte ich zurück.

 

An denselben Ort.
Zu derselben Figur.

Und siehe da:
Er war noch da.

 

Und — ich muss es so sagen –
er hatte sich kaum verändert.

Ich hingegen schon.

 

Mit digitaler Technik in der Hand fotografierte ich ihn erneut.
Ein zweites Porträt.

Gleicher Ort.
Gleiches Modell.
Andere Zeit.

 

Und wenn ich ehrlich bin:
So groß war der Unterschied in der Qualität gar nicht.

 

Vielleicht liegt das daran, dass es nie nur um Technik ging.

Sondern um den Blick.

Und der beginnt manchmal mit neun Bildern,
einem dunklen Schrank
und einem Neandertaler,
der geduldig genug war,
auf mich zu warten.

 

Fotografie ist ein wunderbares Hobby. Sie verbindet Kreativität, Achtsamkeit und Freude. Ich möchte mit meinen Bildern zeigen, wie erfüllend es sein kann, die Welt durch die Linse zu betrachten – und dich dazu einladen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.