
An dieser Stelle stellt sich vermutlich bereits die erste berechtigte Frage:
Warum erscheint das Vorwort eigentlich erst nach Kapitel zwei?
Normalerweise gehört ein Vorwort schließlich ganz an den Anfang. Dort steht es würdevoll herum, wird freundlich überblättert und später nie wieder gelesen. Ich habe mich deshalb für eine etwas andere Reihenfolge entschieden. Denn vielleicht hast du nach den ersten beiden Kapiteln bereits angefangen, dich zu fragen, worum es in diesen Geschichten eigentlich geht.
Ob das hier ein Fotoprojekt ist. Eine Sammlung von Anekdoten. Eine leichte Form geistiger Verirrung mit Kamera. Oder ob das Ganze am Ende doch noch irgendwo hinführt.
Genau deshalb kommt das Vorwort erst jetzt.
Nachdem du bereits ein wenig in diese Welt hineingestolpert bist, lässt sich vermutlich besser erklären, worum es mir mit diesen Geschichten eigentlich geht.
Fotografie begann für mich wie vermutlich für viele: Als Jagd nach
dem perfekten Bild.
Nach dem perfekten Licht.
Dem perfekten Moment.
Der perfekten Technik.
Ich glaubte lange, dass am Ende vor allem das Ergebnis zählt — das Foto, das man zeigen, drucken oder veröffentlichen kann. Doch je aufwendiger und komplexer meine Projekte wurden, desto mehr merkte ich, dass sich etwas verschob. Plötzlich war nicht mehr nur das fertige Bild wichtig, sondern der Weg dorthin.
Die frühen Morgenstunden irgendwo im Nirgendwo.
Gespräche mit Menschen, die man ohne Kamera niemals kennengelernt hätte.
Verpasste Chancen, spontane Umwege und Situationen, die sich nicht planen lassen.
Und manchmal auch die Erkenntnis, dass ein Projekt scheitern kann — zumindest fotografisch.
Aber selbst dann blieb oft etwas Wertvolleres zurück als das ursprünglich geplante Bild: Eine Erinnerung, eine Begegnung oder einfach eine gute Geschichte.
Mit der Zeit wurde Fotografie für mich weniger ein technisches Hobby; mehr eine Art, bewusster zu sehen. Nicht nur Motive, sondern auch Menschen, Stimmungen und kleine Momente, die im Alltag sonst leicht vorbeiziehen.
Die Geschichten in dieser Veröffentlichung sind deshalb gewissermaßen eine fotografische Biographie.
Keine vollständige Chronik und erst recht kein Lehrbuch über Kameratechnik. Es geht nicht darum, welche Blende in welcher Situation die beste ist oder welches Objektiv die höchste Schärfe liefert. Dafür gibt es genügend andere Quellen — und auch hitzige Diskussionen im Internet oder Fotoclubs, die niemals enden werden.
An dieser Stelle vielleicht noch ein wichtiger Hinweis:
Ich bin kein professioneller Autor. Die Fotografie ist mein Hobby — beruflich hatte ich zwar durchaus viel mit Texten zu tun, allerdings eher im juristischen Kontext. Und wer schon einmal mit Juristen zu tun hatte, weiß: Dort werden Sätze gerne so formuliert, dass man sie dreimal lesen muss, um anschließend festzustellen, dass man sie immer noch nicht verstanden hat.
Keine idealen Voraussetzungen also, um unterhaltsame Geschichten zu schreiben.
Deshalb habe ich mir Unterstützung geholt.
Mein Co-Autor hört auf den Namen „Karl“. Karl ist kein Mensch, beschwert sich nie über Arbeitszeiten und benötigt erstaunlich wenig Kaffee. Karl ist eine KI.
Ich habe Karl über längere Zeit beigebracht, wie ich schreibe, wie ich erzähle und vor allem, wie diese Geschichten klingen sollen. Inzwischen arbeitet er als mein Lektor, gelegentlich als Formulierungsretter und manchmal auch als diplomatischer Übersetzer zwischen „Juristendeutsch“ und normal verständlicher Sprache.
Die Ideen, Erinnerungen und Erlebnisse stammen dabei natürlich alle von mir. Karl sorgt lediglich dafür, dass daraus keine Schriftsätze mit Fußnotenpflicht werden.
Ich hoffe also, es ist für dich in Ordnung, dass diese Veröffentlichung zwar von einem Menschen stammt, der sich aber Hilfe von einer Maschine geholt hat. Wobei ich nach manchen Diskussionen mit Karl inzwischen den Verdacht habe, dass er gelegentlich die besseren Formulierungen findet.
Am Ende soll es hier aber ohnehin nicht um perfekte Literatur gehen.
Es geht um das, was rund um die Fotografie passiert. Um Erlebnisse. Zufälle. Begegnungen. Kleine Katastrophen. Große Glücksmomente. Und um die seltsame Eigenschaft dieses Hobbys, Menschen manchmal genau dorthin zu bringen, wo sie eigentlich nie geplant hatten zu landen.
Vielleicht erkennt sich der eine oder andere Fotograf darin wieder.
Vielleicht motivieren diese Geschichten aber auch Menschen, die bisher nur gelegentlich fotografieren oder sich noch gar nicht intensiver mit Fotografie beschäftigt haben.
Denn Fotografie ist weit mehr als das Beherrschen von Technik.
Sie kann ein Anlass sein, die Welt mit offenen Augen wahrzunehmen.
Und manchmal reicht genau das schon aus, damit aus einem einfachen Hobby etwas entsteht, das einen über viele Jahre begleitet und das Leben beeinflusst.
Fotografie ist ein wunderbares Hobby. Sie verbindet Kreativität, Achtsamkeit und Freude. Ich möchte mit meinen Bildern zeigen, wie erfüllend es sein kann, die Welt durch die Linse zu betrachten – und dich dazu einladen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.